Konzerttournee der Studentenmusik vom 2. - 6. Mai nach Slowenien 2011

Eine langjährige Freundschaft über Grenzen hinweg

Bevor ich die Vorbereitungsarbeiten für die erste Konzertreise nach Slowenien 1998 in Angriff nahm, wusste ich kaum, dass es diesen Staat überhaupt gab. Er war damals nicht ganz sieben Jahre alt. Mittlerweile habe ich viele zuverlässige und vertraute Bekannte dort, die es mir nun schon zum dritten Mal ermöglichten, mit der Studentenmusik das Land zu besuchen und dort mit unserer Musik aufzutreten.

Es macht natürlich die Organisation einfacher, wenn man die Gegebenheiten und die Personen, mit denen man zu tun hat, bereits kennt. Auch auf unserer Seite konnte ich auf erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen. Meine Assistentinnen Irmgard und Andrea hatten bereits „Slowenien-Erfahrung" als FM-Mitglieder. Andrea Kälin war 1998 dabei, Irmgard Fuchs 2005 zusammen mit unserem Busfahrer Marcell Schuler.

Der engste Kontakt nach Slowenien ist für mich Jože Mlakar. Er war bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Sommer Direktor des Bischöflichen Gymnasiums Šentvid und er hat dafür gesorgt, dass unsere Beziehungen zu dieser Schule weiterhin intakt bleiben. Er hat uns dieses Mal nebst einem Auftritt am Gymnasium durch einen seiner ehemaligen Schüler auch noch ein Konzert in Pivka ermöglicht.

Auch mit Postojna habe ich durch den dortigen Kulturbeauftragten der Stadt, Miran Žitko, seit 2005 einen guten Kontakt. Auf solche Leute bin ich angewiesen, wenn ich eine Konzertreise organisieren will, die zu einem Erlebnis für die FM werden soll. Und ich denke, dass das dieses Mal ganz besonders gelungen ist.

Grosses Pech hatten zwei Mitglieder der Studentenmusik, denen leider das tolle Erlebnis unserer Slowenien-Reise ganz oder mehrheitlich versagt blieb. Trompeter Andreas musste wegen einer Infektion zu Hause bleiben und unsere Klarinettistin und Vizekapellmeisterin Bettina lag zwei Tage lang krank im Hotel, bevor sie dann doch noch mit Betreuerin Andrea wenigstens am letzten Tag Ljubljana etwas erkunden konnte.

Baden im Mittelmeer und die Nacht am Gefrierpunkt in Ljubljana

Natürlich haben wir nicht nur Konzerte gegeben in Slowenien, sondern auch Ferien gemacht. So fuhren wir nach dem Tag der Hinreise ans Mittelmeer nach Piran, besichtigten die im italienisch-venezianischen Stil erbaute Stadt mit ihrer tollen Atmosphäre und genossen die kulinarischen Köstlichkeiten; und recht viele liessen es sich nicht nehmen, die Gelegenheit zum Baden im Mittelmeer zu nutzen. Mir selbst wäre das ganz klar zu kalt gewesen.

Die Kälte war zum Teil ohnehin etwas lästig; so sanken die Temperaturen in Ljubljana in der Nacht zum Teil fast bis zum Gefrierpunkt und auch wenn die Sonne schien, war es manchmal ziemlich kühl. Sehr unangenehm spürten wir das beim Konzert im Innenhof des Gymnasiums von Šentvid. Zudem war es auch sehr windig und manchmal waren wir fast mehr mit dem Festhalten der Noten als mit Musizieren beschäftigt.

Von Kühen und Chören und anderen Sprachproblemen

Am Bischöflichen Gymnasium von Šentvid durften wir bereits zum dritten Mal auftreten. Diesmal aber spielten wir nicht in der Turnhalle wie die letzten beiden Male, sondern im Innenhof für die gesamte Schule (600 Schülerinnen und Schüler). Wie schon bei unserem öffentlichen Auftritt am Vorabend in Pivka half mir auch hier eine Dolmetscherin, damit ich einiges über die Studentenmusik und ihre Reisen erzählen konnte. 2005 machte das eine Deutschlehrerin, diesmal übernahm eine Schülerin diese Aufgabe. Lara - sie hatte diesen Namen bekommen, weil ihre Mutter „Doktor Schiwago" gelesen hatte - stammt aus Krajnska Gora und Deutsch hat sie bereits als Kleinkind am Fernsehen gelernt. Sie erzählte mir, dass sie Deutsch schon damals viel mehr liebte als ihre (sehr schwierige) slowenische Muttersprache. Sie hat dann ohne Mühe meine Kommentare ohne Zögern ins Slowenische übersetzt, nur einmal hat sie mich komisch angesehen, gezögert und gefragt „was für Kühe?". Ich hatte nämlich gesagt, dass ich die Schule von Šentvid wegen ihrer phantastischen Chöre beneide und statt „Chöre" hat sie „Kühe" verstanden, dabei aber sofort gemerkt, dass da wohl etwas nicht stimmen kann und unter grossem Gelächter haben wir das Missverständnis geklärt.

Die mir schon lange bekannten verschiedenen Chöre des Gymnasiums von Šentvid sind ganz schlichtwegs phantastisch. So hat der Frauenchor schon mehrfach in internationalen Wettbewerben erste Preise gewonnen. Da einige Schüler und Schülerinnen von uns die CD kannten, welche ich von der Rekoreise im Februar zurückbrachte, war der Wunsch da, dass wir kurz in eine Probe hinein hören können. Meinem Wunsch wurde stattgegeben und der gemischte Chor sang für uns drei Lieder. Es war absolut phantastisch, was uns da geboten wurde. Vor 12 Jahren traten die Chöre bei uns in Einsiedeln auf und 2006 war ein weiterer Besuch geplant, der dann aber nicht stattfinden konnte. Es ist sehr gut möglich, dass wir in absehbarer Zeit die Gelegenheit haben werden, die Chöre hier zu hören.

Nicht überall hatte ich so eine gewandte Übersetzerin wie in Šentvid. Auch für den Auftritt in Postojna habe ich nach jemandem gefragt, der meine deutschen Kommentare ins Slowenische übersetzt. Fünf Minuten vor dem Konzert konnte ich mich dann mit der Dolmetscherin kurz absprechen, und dabei trat ein klitzekleines Problem auf. Sie konnte kaum Deutsch und hatte mit englischen Kommentaren meinerseits gerechnet. Ich mit meiner Griechischmatura sollte nun in Englisch kommentieren... Wer mich kennt, weiss, wie das herauskommt. Ich bemerkte dann aber, dass sie sich sehr gut vorbereitet hatte und ich kaum etwas beizufügen hatte. So konnte ich mich dann auf ein paar wenige Sätze in Englisch beschränken und hängte noch drei Sätze in Slowenisch aus meinem Repertoire an und damit war das Problem beseitigt, da wir ohnehin musizieren und nicht kommentieren wollten.

Vom Party- zum Pfuus-Bus und eine defekte Türe

Bei diesen Distanzen - Ljubljana ist 750 km von Einsiedeln entfernt - verbrachten wir recht viele Stunden im Bus, zumal wir auch jeden Tag irgendwohin fuhren um zu konzertieren. Und da unser Busfahrer Marcell Schuler (es war bereits seine elfte Reise mit uns zusammen) einen sehr guten Draht zu den jungen Leuten hat, war die Stimmung auf den Fahrten entsprechend gut. In besonderen Momenten wird dann der Bus eben zum Party-Bus mit Musik und manchmal noch etwas Licht-Show. Am Morgen vor der Rückfahrt fragte Marcell unseren Kapellmeister (in einem Musikverein wäre das der Präsident) Marco, ob auf der Rückfahrt wieder Party-Bus angesagt sei. Die Antwort kam nach der wohl etwas kurzen Nacht umgehend: „nein, eher Pfuus-Bus".

Nicht nur zwischen Busfahrer und seinen Passagieren war die Stimmung gut, sondern auch untereinander. Und es gab auch keine unangenehmen Zwischenfälle. Unsere beiden Begleiterinnen Irmgard und Andrea sagten das so: „die momentane FM ist wirklich eine gute Truppe".

Für Busfahrer Marcell gab es allerdings doch noch einen unangenehmen Zwischenfall, von dem die FM kaum etwas bemerkte. Da ein Relais seinen Geist aufgab, funktionierte die hintere Türe nicht mehr und Marcell hatte wohl an die fünf Stunden Arbeit, um das wieder in Ordnung zu bringen. Mit Hilfe seines Handys und des Mechanikers in der Schweiz brachte unser routinierter Fahrer auch das wieder in Ordnung.

Für die Rückfahrt hatte ich grob geschätzt, dass wir um etwa 18 Uhr in Einsiedeln ankämen. Tatsächlich waren wir dann um 18.30 am Ziel, also sehr pünktlich für eine Distanz von 750 km.

Unsere Chicas und der Grottenolm

Wen das betrifft, verrate ich hier nicht. Nur so viel: die eine ist blond, die andere schwarzhaarig. Ab wann sie plötzlich die „Chicas" waren, habe ich nicht mitbekommen. Auf jeden Fall war auch das etwas, was der Stimmung gut tat und immer wieder für Heiterkeit sorgte. Weniger lustig fand aber wohl die schwarzhaarige Chica, dass in Postojna ein Vogel ihren Kopf auserwählte, um sich darauf zu erleichtern. Ob die blonde Chica wohl schon Kontakt mit ihrem Fan aus England aufgenommen hat, der ihr auf dem Parkplatz bei der Rast in Bellinzona plötzlich seine Facebook-Adresse in die Hand drückte?

In Postojna wurden wir für unsere Auftritte nicht nur mit einem Mittagessen, sondern auch mit einem Eintritt in die weltberühmten Grotten belohnt, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Dort leben keine Chicas, dafür aber der Grottenolm, ein besonderes Tier, das nur in den Gewässern der Karst-Höhlen vorkommt und vom Aussehen her an einen Molch erinnert. Der Olm wird etwa 100 Jahre alt und er kann, wenn es sein muss, auch mal mehrere Jahre lang keine Nahrung zu sich nehmen - aber das wird er wohl kaum freiwillig tun. Ganz sicher war es für uns alle ein phantastisches Erlebnis, diese riesigen Grotten mit den Stalaktiten, Stalagmiten und weiteren Formationen in zum Teil gigantischen Dimensionen zu sehen. Meines Wissens waren nicht nur die Grotten, sondern überhaupt Slowenien für alle Mitglieder der Studentenmusik eine Premiere.

Weitere Projekte

Es ist sehr gut möglich, dass einer oder mehrere Chöre des Gymnasiums von Šentvid Einsiedeln besuchen werden. Und beim Auftritt in Postojna hat sich ein neuer Kontakt ergeben. Wir spielten dort abwechslungsweise - und zwei Stücke sogar spontan zusammen - mit der Big Band der Musikschule von Postojna. Geleitet wird diese Formation vom Saxophonisten Tomaž Nedoh. Nicht nur die Musikalität, sondern auch die Jungs der Big Band haben offenbar ziemlichen Eindruck gemacht auf einige FM-Mitglieder (besonders auf die weiblichen).

Im Moment bin ich daran, die Reise der FM im nächsten Jahr zu planen und es sind bereits erste Kontakte hergestellt. Diese Reisen sind für mich nicht in erster Linie Konzertreisen, sondern sie sollen den Kontakt untereinander fördern, das Blickfeld erweitern (es gibt nicht nur den Kanton Schwyz) und zur Übernahme von Verantwortung zwingen. Vielleicht werden dadurch wieder ein paar Stiftsschüler und Stiftsschülerinnen - jetzige und zukünftige - damit motiviert, in der Studentenmusik mitzumachen. Vor den Höhlen von Postojna stand plötzlich ein Ehemaliger der Stiftsschule und der Studentenmusik neben mir. Er hat die Ferien mit seiner Familie mit unserem dortigen Auftritt koordiniert. Von ihm weiss ich, dass er noch 30 Jahre nach seiner Matura Kontakt ins Ausland zu Leuten hat, die er auf einer seiner FM-Reisen kennengelernt hat.

Nebst meinen Mitarbeiterinnen Irmgard und Andrea und unserem Fahrer Marcell danke ich auch unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre und mich mit den nötigsten Medikamenten ausgestattet hat.

Unsere Klarinettistin Désirée Stebler stellte täglich einen aktuellen Bericht ins Internet; herzlichen Dank für diesen grossen Aufwand!

Den FM-Mitgliedern danke ich für die gegenseitige Hilfsbereitschaft, die Konzentration während der Konzerte - ihr habt überraschend gut gespielt - und die Pünktlichkeit (das betrifft beinahe alle...)

Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell überhaupt ermöglicht haben!

Marcel Schuler