Konzerttournee der Studentenmusik vom 8. bis 12. Mai 2006 nach Rom 2006

Dass eine Konzertreise nach Rom etwas vom Kompliziertesten ist, das man sich ausdenken kann, wusste ich aus den Erfahrungen von 1999, als die Studentenmusik schon einmal in diese phantastische Stadt reiste. Während der Vorbereitungen wurden versprochene Bewilligungen für Ständchen an den besten Orten Roms wieder zurückgezogen, anderseits tauchten kurzfristig Möglichkeiten für Konzerte auf. Bis zuletzt war nicht klar, wie die Reise dann im Detail ablaufen würde.
Auf jeden Fall gelang der Start der Konzertreise optimal. Wir fuhren sogar 15 Minuten vor dem geplanten Zeitpunkt in Einsiedeln weg und trotz eines Staus bei Mailand erreichten wir Rom innerhalb der vorgesehenen Zeit. Wir reisten einmal mehr mit dem doppelstöckigen Schuler-Car und Fahrer Marcell Schuler wirkte nicht nur als routinierter Chauffeur, sondern auch als engagiertes Team-Mitglied. Er übernahm den Bus allerdings nicht in Einsiedeln, sondern erst später, um die vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten.
Zum Glück waren drei FM-Mitglieder mit Pfarrer Jäger im Konfirmationslager in Ligurien. Er ist dann mit ihnen am Freitag vor der Konzertreise nach Rom gereist und zusammen haben sie noch die letzten Rekognoszierungsaufgaben erledigt. Dafür danke ich Pfarrer Urs Jäger ganz herzlich!
Das Einchecken im Hotel verlief im Gegensatz zu anderen Konzertreisen recht unkompliziert und im Nu war der Haufen Schlüssel verteilt, der Assistentin Rachel und mir ausgehändigt worden war.
Das Frühstück am Dienstagmorgen verlief sehr friedlich und ruhig – in den nächsten Tagen sollte das anders aussehen…
Die Auftritte der FM in Rom waren recht unterschiedlicher Art; und das in jeder Beziehung!
Am Dienstag war geplant, nach etwa einstündiger Fahrt (die Distanz war ungefähr 14 Kilometer) in der Schweizerschule anzukommen, um uns dort einzurichten, dann zu essen und um 14.45 für die Schülerinnen und Schüler zu spielen. Die Fahrt dauerte dann halt zwei Stunden, weil es die Römer wegen des Regens am Vormittag vorzogen, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Dazu erklärte mir eine ältere Römerin, dass noch ein sehr grosses Begräbnis ebenfalls für mehr Verkehr sorgte. Schlussendlich spielten wir dann trotzdem pünktlich auf dem Spielplatz der Schule. Zuvor war es allerdings nicht ganz einfach gewesen, uns auf dem Spielplatz einzurichten. Die kleinen Fussballer, welche dort spielten, wollten den Platz nicht freiwillig räumen und erst nach einigen Überredungskünsten und der Versicherung, dass der Direktor der Schule mir den Platz für ein Konzert überlassen habe, spielten sie ihr Spiel an einem anderen Ort im Park der Schweizerschule weiter.
Am Abend gaben wir am gleichen Ort ein Konzert für den Circolo Svizzero, nachdem wir die nahe gelegenen Katakomben von S. Agnese besucht hatten. Den Kontakt für diese Auftritte schaffte der ehemalige FM-Klarinettist Roman Kühne. Er unterrichtet seit September letzten Jahres an der Schweizerschule in Rom und wir sind ihm für seine diversen organisatorischen Hilfen zu grossem Dank verpflichtet.
Beim Katakomben-Besuch kam die Frage eines Erstklässlers, weshalb wir denn nicht eine grössere Katakombe besuchen, wenn es ja solche offenbar auch gäbe. Darauf Assistentin Linda: „Wir haben das letzte Mal schon einen Trompeter verloren in den unübersichtlichen Gängen und haben ihn nicht mehr gefunden; das wollten wir diesmal nicht riskieren“. Ob die Zuhörer in der Zwischenzeit gemerkt haben, dass das nicht so ganz stimmte?
Während unseres Auftritts für den Circolo Svizzero organisierten Marcell und Linda den reservierten Materialtransporter. Mehrfach hatte Roman Kühne mit dem Autoverleih telefoniert, um wirklich sicher zu gehen, dass das Fahrzeug für den geplanten Instrumententransport geeignet sei, was ihm jedes Mal klar bestätigt wurde. Ganz geheimnisvoll sagten dann nach dem Konzert Marcell und Linda, dass sie mir jetzt dann den Transporter zeigen würden. Das, was wir befürchteten, war eingetroffen. Da stand ein Ford Galaxy mit sieben Sitzplätzen! Marcell hatte die Sitze bereits ausgebaut und zum Glück mussten wir nicht das ganze, sondern nur einen Teil des Materials in den Vatikan transportieren für den Auftritt des nächsten Tages. Ich fuhr dann das Zeug mehr oder weniger geduldig durch den Abendverkehr in den Hof hinter der Kaserne der Schweizergarde, wie das geplant war.
Der nächste Morgen begann weniger friedlich als der Dienstag. Dass einige FM-ler vor dem Speisesaal mit den Tellern vor sich am Boden sassen, wirkte etwas eigenartig, war aber die sinnvollste Lösung angesichts des völlig überfüllten Raumes. Am Vorabend waren offenbar ein paar Busladungen Schülerinnen und Schüler aus anderen Gegenden Italiens und aus Spanien vor dem Hotel ausgekippt worden und alle wollten zur selben Zeit frühstücken. An dem Tag war Kapellmeisterin Eva noch nicht so weit, aber am letzten Morgen ist ihr offenbar dann der Geduldsfaden gerissen. Sie liebt im Hotel beim Frühstück Nutella als Brotaufstrich. Dass das geliebte Nutella am Dienstag und Mittwoch bereits weg war als sie kam, war scheinbar zu verkraften, als ihr aber ein kleiner Italiener am Freitagmorgen mit zwei Tellern Nutella an ihr vorbeizog und sie dabei frech angrinste, ist ihr der Geduldsfaden gerissen und sie hat sich einfach mit einem schnellen Griff bedient und die Welt stimmte für sie wieder.
Zurück zum Mittwoch: dies war der Tag der Extreme. Am Vormittag spielten wir vor einem Publikum von 15'000 oder auch 30'000 Menschen, am Abend vor fünf!
Am Morgen fuhren wir mit dem öffentlichen Bus zum Vatikan. An der Haltestelle fuhr ein bereits voller Bus vor und einige meinten, wir sollten doch lieber den nächsten nehmen. Die sind offenbar noch nie in Rom Bus gefahren! Nicht ganz, aber doch einigermassen problemlos brachten wir unsere 45 Leute auch noch unter. A propos Busfahren. Einige Erstklässler sind zu richtigen Bus-Profis geworden. Spasseshalber sind sie in der Freizeit einfach in irgendwelche Busse eingestiegen (wir hatten ja alle eine Dreitageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel). Das Auswahlprinzip waren einfach Zahlen der Buslinien, die sie grad schön fanden. Wenn sie genug hatten, stiegen sie aus, wechselten die Strassenseite, fuhren zurück und probierten eine neue Linie. Offenbar haben sie Rom so recht gut kennen gelernt.
Wir waren am Mittwochvormittag zur Generalaudienz des Papstes geladen und durch die guten Beziehungen zur Schweizergarde wurden wir ganz vorne platziert und durften auch die Infrastruktur der Garde nutzen. So hatte ich unser Materialfahrzeug am Vorabend im Hof unter den Fenstern der päpstlichen Wohnung parkiert und ebendort rüsteten wir uns vor der Audienz mit den Instrumenten aus und zogen uns um. Ein etwas eigenartiger Ort zum Umziehen. Wir hatten dann das Privileg, auf dem kürzesten Weg innerhalb der vatikanischen Mauern mit unserem Material zum Bronzetor zu marschieren und dort auf den Petersplatz zu treten, um uns einzurichten. Was 1999 nicht möglich war, diesmal klappte es: es gab auch für uns Strom im Vatikan und Bassgitarrist Robin war nicht nur Dekoration! Ermöglicht haben uns dies die Garde und das Fernsehen.
Dass wir Papst Benedikt auf den letzten paar Metern Fahrt zu seinem erhöhten Platz an uns vorbei mit dem Stück „Tequila“ begleiteten, war keine Provokation meinerseits, wie das einige FM-Mitglieder vermuteten, sondern blosser Zufall.
Die Zeit nach der Audienz konnten die Mitglieder der Studentenmusik zur Besichtigung der Stadt nützen, während die Team-Mitglieder Knochenarbeit leisteten. Elena und Rachel organisierten die Stadtrundfahrt für den folgenden Tag und führten die FM gegen Abend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Vatikan zum Konzertraum beim EUR, während Marcell, Linda und ich mit dem Materialtransporter zum Hotel fuhren, das Picknick und den Reisebus im Hotel abholten und zum Konzertraum fuhren – oder besser gesagt, den Weg dorthin suchten und uns mehrmals verfuhren. Linda und Marcell brachten dann den Mietwagen zurück, während ich Bus und Material auf dem Parkplatz bewachte, bis dann alle pünktlich am Abend eintrafen.
Das Konzert an diesem eigenartigen Ort – eine Grotte, in der die Gottesmutter erschienen sein soll, mit Kapelle und eine Art Zelt davor - wurde zwar zum Besten, was ich von der FM je gehört habe, allerdings verkürzte ich das Konzert auf 30 Minuten. Bei dem gewaltigen Publikumsaufmarsch von fünf Personen wäre alles andere Blödsinn gewesen. Zeit und Ort waren einfach zu ungünstig für unser Konzert.
Der Donnerstag war konzertfrei. Alle konnten auf eigene Faust die Stadt erkunden - bei einigen hiess das Busfahren – und am Nachmittag genossen wir bei strahlendem Wetter die perfekt von Elena und Rachel organisierte zweistündige Stadtrundfahrt.
Die letzte Nacht verlief auch von den Mitgliedern der Studentenmusik her nicht allzu ruhig. Das Hotel war sehr abgelegen, so dass ein Nachtausgang kaum in Frage kam, dazu waren die FM-ler in einem eigenen Haus zusammen mit einer spanischen Gruppe untergebracht, die offenbar nicht so viel von Nachtruhe hielt und unter diesen Umständen griffen wir nicht ein, auch wenn es zeitweise etwas laut war. Unter anderen Umständen hätten wir das nicht geduldet; dies als Hinweis auf weitere Konzertreisen!
Am Freitagmorgen war auffallend, wie viele mit neu gekauften Taschen – im Kreis des Teams waren es Gürtel – auftauchten. Mit nur zwei Minuten Verspätung starteten wir, niemand hatte verschlafen oder zu lange rumgetrödelt. Kompliment!
Die Rückfahrt verlief wohl sehr ruhig, weil die meisten schliefen, aber nicht ganz störungsfrei. Der in Italien getankte Diesel erwies sich als ziemlich verschmutzt und verstopfte prompt den Filter der Treibstoffzufuhr des Busses. Mit Luftdruck, Nadel und Marcells technischem Know-how brachten wir die Maschine gemeinsam wieder in Gang und erreichten Einsiedeln ebenfalls wieder in der vorgesehenen Zeit.
Auf dieser logistisch sehr anspruchsvollen Konzertreise war ich auf ein engagiertes und zuverlässiges Team sehr angewiesen und alle haben tolle Arbeit geleistet. Elena, Linda, Rachel und Marcell, ich danke euch ganz herzlich!
Wir alle danken denjenigen, welche uns diese Konzertreise ermöglicht haben. Den Eltern und natürlich allen Sponsoren, die uns immer grosszügig unterstützen!
Zum Schluss möchte ich noch auf den sehr lesenswerten Bericht aus Teilnehmersicht von Kapellmeisterin Eva unter www.rom2006.ch.tf hinweisen.

Marcel Schuler