Konzerttournee der Studentenmusik vom 13. bis 17. Juli 1999 nach Rom

Bericht einer Flötistin

Wie jedes Jahr lassen sich von der Tournee gute und weniger gute Dinge berichten, wobei das Gute wie immer bei weitem überwog und das Schlechte gut gehandhabt wurde. Und wie jedes Jahr haben wir unglaublich viel erlebt.
Das Erste, was wir in Rom unternahmen, war eine Stadtrundfahrt im FM-Bus. Das hat uns geradewegs mit zwei Faktoren bekannt gemacht, die in Rom allgegenwärtig sind: die ungeheuren Dimensionen Roms und das Verkehrschaos. In Rom gibt es immer Stau. So nahm das Busfahren oft viel Zeit in Anspruch. Andererseits wurde es uns im Bus nie langweilig: die Manöver der Vespafahrer waren oft ebenso halsbrecherisch wie amüsant. Trotz den unzähligen Poliziotti am Strassenrand werden Strassenregeln bestenfalls als Empfehlungen angesehen. Ein Härtefall, bei dem sogar die Polizisten aktiv werden, ist einzig das Fahren auf Einbahnstrassen in verkehrter Richtung. Wieso es trotzdem so wenige Unfälle gibt, habe ich auf der ganzen Tournee nicht herausgefunden. Unser Busfahrer hat uns jedenfalls immer sicher durch Rom gelotst.
Als wir abends unsere Freiheiten nutzten, kamen wir zum ersten Mal mit Römern in Kontakt. Wir mussten einige Passanten ansprechen, um unseren Weg zur Piazza di Spagna zu finden. Die Römer sind jedoch ausgesprochen nette Leute. Meist haben sie nicht nur die gewünschte Information, sondern ihre ganze Lebensgeschichte dazu geliefert.
Tags darauf hatten wir unseren grossen Tag. Wir sollten bei der Papstaudienz spielen. Man hatte uns eine Minute Zeit gegeben, um den Papst zu beeindrucken. Das liessen Herr Schuler und Bani sich natürlich nicht entgehen und kramten unser lautestes Stück hervor. Leider machte die FM den beiden einen Strich durch die Rechnung, indem wir hundsmiserabel spielten.
Der Massenandrang an der Audienz war beachtlich. Jede Gruppe war mit Fähnchen ausgerüstet erschienen, und versuchte, durch Schreien und Brüllen die Aufmerksamkeit des Papstes zu erlangen. Dieser wartete aber ruhig und gelassen in seinem Sessel darauf, dass alle wieder abzogen.
Die Papstaudienz war für unzählige Helfer und Helfershelfer ein guter Grund sich aufzuspielen: Jeder gab Befehle weiter. Sogar die anwesenden Kardinäle durften sich nützlich machen: Alle fünf Minuten musste einer von ihnen sich erheben und würdevoll der Kappe des Papstes nachwieseln, da der Wind diese respektlos immer wieder davontrug.
Gleich nach dem Mittagessen fuhren wir wieder los, um die Katakomben der heiligen Priscilla zu besichtigen. Baudenkmäler dieser Art sind natürlich immer interessant - aber ehrlich gesagt war ich froh, wieder ans Tageslicht zu kommen. Die Glaubensgenossen dort unten waren mir ein wenig zu zahlreich und trotz allem noch zu präsent, um mich unter ihnen wohl zu fühlen.
Am Abend sollten wir unser einziges Saalkonzert geben. Im Auditorio San Leone Magno sind gerade soviele Gäste erschienen, um ohne Frust spielen zu können. Anders als auf der letzten Rom-Tournee (1977), wo nur gerade einige Schweizergardisten erschienen sein sollen.

Donnerstag Morgen war zu unserer freien Verfügung. Weil Rom eine wundervolle Stadt ist, begnügten wir uns mit wenig Schlaf. Um halb neun standen wir schon an der Bushaltestelle der Vatikanlinie. Zumindest den Petersdom wollten wir gesehen haben. Das war aber gar nicht so einfach! Den ersten Bus mussten wir wieder abfahren lassen, so vollgepfropft war er schon. Der zweite Bus war zwar nicht weniger voll, aber wir hatten dazugelernt: Rein ins Getümmel! An jeder Haltestelle liess der Bus eine grosse Menschenmenge stehen; es hätte beim besten Willen niemand mehr hineingepasst. Auch das Aussteigen war schwieriger als gedacht. Wer nicht rücksichtslos genug zum Ausgang gedrängelt ist und: “uscire, uscire” gekräht hat, der musste es halt an der folgenden Haltestelle noch einmal versuchen. Herr Schuler hat uns zwar vorgewarnt und gesagt, Busfahren in Rom sei nicht so einfach, aber zumindest ich habe es ihm nicht recht geglaubt. Da die Römer sich scheinbar an überfüllte Busse gewohnt sind, war die Atmosphäre darin noch nicht einmal unangenehm. So ein römischer Bus ist besser als der aufregendste Erlebnispark.
Schlussendlich sind wir beim Petersdom angekommen, sind auf die Kuppel gestiegen und haben gestaunt. Mich persönlich hat der Obelisk sehr beschäftigt. Als ich nämlich vor einigen Jahren in Ägypten gewesen bin, hat mich ein Reiseleiter auf einen leeren Sockel aufmerksam gemacht und bemerkt, dass eben der dort fehlende Obelisk jetzt auf dem Petersplatz in Rom stehe.
Zwei Ständchen sollten wir noch halten. Das eine in der Schweizerschule, das andere auf der Piazza del Popolo, welches aber buchstäblich ins Wasser fiel. Dafür war der Besuch in der Schweizerschule um so lustiger. Unser Publikum bestand aus lauter fünfjährigen Knirpsen. Das wahrscheinlich erste und letzte Mal, dass zu FM - Musik Ringelreihe getanzt wird. Und sicher das letzte Mal, dass ich für musikalische Leistungen ein Autogramm geben durfte!
Dafür hielten wir am letzten Konzert-Tag trotz strömendem Regen zwei Ständchen. Das eine unter Dach, in der Gregoriana, der Päpstlichen Theologischen Hochschule in Rom, das andere in den Kolonnaden des Petersplatzes. Die vielen angehenden Theologen und Theologinnen machten manchen nicht wenige Sorgen. Würden sie sich bei unserem “Krach” die Ohren zuhalten und sich nach Orgelmusik sehnen? Alle diesbezüglich geäusserten Sorgen erwiesen sich jedoch als unbegründet: Die Studenten liessen sich mitreissen, einige tanzten sogar ausgelassen, und Applaus bekamen wir barmherzigerweise mehr als wir verdient hätten.
Unser letztes Konzert sollte gewissermassen das “Highlight” werden. Wir sollten ja bekanntlich mit der Schweizergarde zusammen spielen.
Ich habe mit der FM schon an manchen besonderen und sehr besonderen Orten gespielt, aber dieses Konzert hat diesbezüglich alles geschlagen. Unter den unzähligen, riesigen Säulen um den Petersplatz haben wir uns eingerichtet. Während die FM ziemlich disziplinlos vor allem daran interessiert war, nicht nass zu werden, marschierte die Garde militärisch über den Petersplatz. Auch später machte sich die Disziplin in der Garde immer wieder bemerkbar. Der Kontrast zur FM machte wohl auch das Zuhören reizvoll. Die militärischen Gewohnheiten wirkten auf uns schon etwas befremdlich. Aber man hatte und ja vorgewarnt: Lachen wäre unangebracht. Leider sahen die Gardisten auch gar nicht so lustig aus. Ihre hübschen farbenfrohen Uniformen mussten sie im Schrank lassen; sie dürfen nur in päpstlichen Angelegenheiten getragen werden. So mussten wir uns mit der Nachtuniform begnügen, die weit weniger spektakulär ist. Schlussendlich sah die FM, wenigstens was das Outfit betrifft, wahrscheinlich militärischer aus. Ich werde nie vergessen, wie ich in Wien gefragt wurde, ob wir eine Militärmusik aus Moskau (!) seien. Nach dem Ständchen wurden wir vom Gardekommandanten grosszügig bewirtet. Es entstanden interessante Gespräche mit Gardisten, wobei nicht wenig Eigenwerbung gemacht wurde. Tatsächlich hat die Schweizergarde uns unseren Kapellmeister Johann abgeworben. Sozusagen als Gegenleistung haben sie uns mit vollendeter Höflichkeit mitgeteilt wo man am besten Ausgehen könne. So sind am Abend viele FM-ler und viele Schweizergadisten in der selben Bar gelandet. Zusammen haben wir das ganze Lokal okkupiert. Ich glaube, die wenigen verbliebenen Italiener hatten fast ein wenig Angst vor uns.
Den Samstag nutzten wir noch einmal tüchtig aus. Einerseits um einige Sehenswürdigkeiten aufzusuchen, andererseits um durch die wunderschöne Stadt Rom zu flanieren. Um eine Stadt kennenzulernen, muss man sich darin die Füsse wund laufen. Natürlich - wie könnte man in Italien auch anders - haben wir noch einmal viel und gut gegessen.
“Alla tavola non s’invecchia,” - “ Am Tisch wird man nicht älter”, sagen die Italiener. Ich glaube, sie haben Recht.
Dann ging alles sehr schnell. Zurück zum Hotel, zum Flughafen. Ganz so schnell waren wir dann doch nicht zu Hause. Unser Flug hatte ziemlich Verspätung. Um ehrlich zu sein: ganz so unglücklich war ich darüber nicht. So hat sich das Ende meiner letzten Tournee doch noch etwas verzögert..................

Dominique Munz