KONZERTTOURNEE DER STUDENTENMUSIK EINSIEDELN 29. April - 3. Mai

LUXEMBURG 2013

REISE DER STUDENTENMUSIK EINSIEDELN   29. April - 3. Mai

                           

An altvertrauten Orten mit neuen Musikern

Nach Möglichkeit versuche ich immer, ein Reiseziel auszuwählen, das möglichst wenigen bekannt ist. In den vergangenen zwei Jahren ist es mir gelungen die Mitglieder der Studentenmusik an Orte zu führen, wo sie vorher noch nie waren.

Obwohl Luxemburg vergleichsweise nahe liegt – von Einsiedeln bis dorthin sind es 480 km – kannte noch kein FM-Mitglied dieses Land. Ich selbst war nun zum vierten Mal dort und konnte bei der Vorbereitung der Reise auf die Kontakte bauen, welche mir bereits 2004 Auftritte mit der Studentenmusik in Luxemburg ermöglichten. Damals schrieb ich verschiedene Schulen und die zuständige Stelle der Stadt Luxemburg an und ohne grosse Schwierigkeiten fand ich Möglichkeiten, um mit der FM aufzutreten.

Und offenbar hat es unseren jungen Leuten dort gefallen. Die Stadt ist von zwei Tälern durchzogen – wir wohnten in der Jugendherberge im Pfaffental – und ich finde das Nebeneinander von Alt und Neu – da stehen neueste Bauten neben Ruinen aus dem Mittelalter in architektonischer Harmonie – jedes Mal faszinierend.

Ein Begleiter-Team, das sich blind vertrauen kann

Wie in den vergangenen Jahren durfte ich wieder mit meinen Assistentinnen Irmgard Fuchs, Andrea Kälin und Busfahrer Marcell Schuler zusammenarbeiten. Es ist toll, solche Mitarbeiter zu haben, die ohne viele Worte wissen, was zu tun ist und die jeweils von selbst darauf kommen, wann und wo auf was zu achten ist. Und dass Marcell und ich nicht nur im Bus gut zusammenarbeiten können, haben wir im Lycée Josy Barthel in Mamer beim Tischfussballmatch gegen Inês und Julia siegreich bewiesen.

Allen meinen Mitarbeitern bin ich unendlich dankbar. Ohne sie ginge gar nichts!

Tischfussball ist allerdings bedeutend einfacher, als mit den Verkehrsverhältnissen in Luxemburg zurecht zu kommen. Ein älterer Fremdenführer der Stadt erklärte mir, dass man mindestens ein Jahr in Luxemburg gelebt haben muss, um sich mit den komplizierten Strassenführungen auszukennen. Unsere grösste Schwierigkeit war, dass wir wohl zwei Navigationsgeräte zur Verfügung hatten, aber nicht einen PW, sondern einen Reisecar jeweils ans Ziel bringen mussten. Manchmal war es fast Cabaret-reif, wie sich TomTom und Garmin widersprachen und wir uns dann für eine ganz andere Route entscheiden mussten. Zum Glück kannte ich die meisten Strecken von der letzten Reise und der Reko-Reise im Februar her und wusste, unter welchen Brücken der Bus nicht durchfahren konnte oder auf welchen Brücken er zu schwer gewesen wäre. So trafen wir eine belgische Gruppe, welche zu Fuss die letzte Strecke zur Jugendherberge bewältigen musste, weil ihre zwei Reisecars von der falschen Seite anfahren wollten und prompt stecken blieben.

Als wir zu unseren letzten Auftritten am Lycée technique des Arts et Métiers fahren wollten, hielt uns an einer Abzweigung ein entgegenkommender Luxemburger Autofahrer auf und hinderte uns an der Weiterfahrt. Auf meine Frage, was los sei, erklärte er mir, dass auf unserem Weg alle Strassen völlig verstopft seien und man nicht weiterkäme. Er zeigte mir dann die alternative Route zu unserem Ziel und durch zum Teil beängstigend enge Strassen kamen wir trotzdem pünktlich an.

Die Studentenmusik unter Tage

Da ich unseren jungen Musikern immer auch etwas Spezielles vom Land, in dem wir sind, zeigen möchte, suche ich jeweils besondere Attraktionen. Dass wir in den letzten fünf Jahren dabei gleich drei Mal tief unter der Erde waren, ist Zufall. 2008 besuchten wir das Silberbergwerk Schauinsland bei Freiburg i. Br., vor zwei Jahren die Höhlen von Postojna in Slowenien und diesmal das Musée National des Mines in Rumelange. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre wurde im Süden von Luxemburg Eisenerz abgebaut und seit 1973 ist das ehemalige Bergwerk von Rumelange als Museum eingerichtet.

Am Vormittag des 1. Mai fuhren wir mit dem Bus zum Bergwerk und wurden dort zuerst mit den notwendigen Helmen ausgerüstet. Dass die Temperatur unter Tage konstant bei 8° liegt, wussten wir zum Voraus, allerdings nahmen das unsere Musikerinnen und Musiker unterschiedlich ernst. Ich hoffe, dass alle die Ferien nun ohne Erkältung geniessen können. Der Vater unseres Führers Dario war bei den letzten Arbeitern im Bergwerk von Rumelange und schon als Kind oft dort. Entsprechend engagiert führte er uns durch die Gänge der Eisenerz-Mine und erklärte uns die Geschichte und die Technik des Abbaus.

Konzerte, Shoppen und Freizeit (oder wie bringt man alles unter einen Hut)

Wir traten an zwei Schulen und auf dem Hauptplatz von Luxemburg, der Place d’Armes, auf. Im Lycée Josy Barthel in Mamer spielten wir drei Programme – zwei vor und eines nach dem Mittagessen – für den grösseren Teil der 1250 Schülerinnen und Schüler, welche begeistert mitmachten und sogar tanzten, wenn wir Gangnam Style spielten. Im Lycée technique des Arts et Métiers spielten wir am Vormittag zwei Programme hintereinander und bekamen vor dem Mittagessen noch eine Führung durch die Räumlichkeiten der Schule. Auch wenn hier die Stimmung etwas zurückhaltender war als in Mamer, gab es doch einige spezielle und sogar sehr persönliche Momente. Da kamen am Schluss einige der älteren Schüler zu mir, gaben mir die Hand und dankten. Einer der jüngsten wollte kurz mit mir sprechen und bat mich darum, für seine angebetete Kollegin, die heute Geburtstag hat, Happy Birthday zu spielen. Wir haben es dann gesungen. Hoffen wir, dass er sein Ziel erreicht hat…

Dass wir am 1. Mai um 16 Uhr auf der Place d’Armes auftreten durften, haben wir dem Umstand zu verdanken, dass die Kulturverantwortliche der Stadt, Frau Christine Kieffer, unseren Auftritt von 2004 in so positiver Erinnerung hatte, dass sie uns ohne Zögern engagierte.

Die Konzertprogramme waren zum Teil recht anstrengend, besonders am Dienstag in Mamer. Niemand war wohl unglücklich, dass ich die anschliessende Stadtrundfahrt auf „Fahrt“ beschränkte und den „Fuss“-Teil wegen Regens und Müdigkeit absagte. Einige gingen dann in der Jugendherberge sogar noch ein wenig schlafen. Drei Auftritte mehr oder weniger hintereinander sind doch recht anstrengend!

Der Mittwoch war mit dem Ausflug ins Bergwerksmuseum und dem Konzert am Nachmittag auch einigermassen ausgefüllt und als unsere Girls merkten, dass am 1. Mai die Geschäfte geschlossen sind, haben sie fast mit Panik reagiert und fragten mich, wann sie denn endlich zum Shoppen kämen… Das konnten sie dann am Donnerstagnachmittag in Trier nachholen.

Unsere Reisen sollen ja nebst Konzert- auch Ferienreisen sein. Wir wollen zusammen Musik machen, aber auch die Freizeit geniessen. Der Billardtisch und vor allem die Pingpong-Tische in der Jugendherberge wurden auch rege benutzt.

Die Studentenmusik als Lebensschule

Auch diesmal ist es mir aufgefallen, dass die jüngeren Musikerinnen und Musiker oft zusammen mit älteren etwas unternommen haben. Und so soll es auch sein. Dieser Kontakt über die eigene Klasse hinaus ist für mich ein wesentlicher Grund, in der Studentenmusik mitzumachen.

Und für einige war es schon fast ein Überlebenstraining, mit Hilfe des Stadtplanes den Heimweg oder beim Zwischenhalt in Strassburg bei der Heimreise den Bus wieder zu finden. Ganz toll fand ich die Girls, welche mit dem Tram in die falsche Richtung fuhren und mir am Telefon dann beruhigend sagten, sie hätten es völlig im Griff und seien nun auf dem richtigen Weg.

Dass die Mitglieder der Studentenmusik auf dem richtigen Weg sind, erfuhr ich auch in der Jugendherberge. Vor der Abreise kam ein Angestellter, der im Restaurant der Herberge arbeitet, auf mich zu, wünschte uns eine gute Reise und bemerkte, dass unsere Gruppe äusserst positiv aufgefallen sei mit ihrem Verhalten. Dasselbe hörte ich dann von der Herbergsleitung, als ich mich verabschiedete. Das macht Freude und Mut zum Weiterarbeiten und Planen der nächsten Reise.

Allerdings müssen noch einige Maturandinnen etwas daran arbeiten, die Uhr richtig zu lesen. Vielleicht hätte ich für diese ein eigenes Programm drucken sollen, in dem alle Zeiten um zehn Minuten früher angesetzt sind…

Nebst meinen Mitarbeiterinnen Irmgard und Andrea und meinem Mitarbeiter Marcell danke ich auch unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre und mich mit den nötigsten Medikamenten ausgestattet hat. Dass nie ein Medikament nötig war auf dieser Reise ist ein weiterer erfreulicher Punkt!

Unsere Flötistinnen Inês Camilo und Céline Kälin, welche im Sommer ihre Matura machen und uns also verlassen werden, stellten nicht nur den jeweils aktuellen Bericht ins Internet, sondern bildeten auch gleich ihre Nachfolgerinnen Zoe und Deborah aus! Herzlichen Dank für diesen Aufwand!

Den FM-Mitgliedern danke ich für die gegenseitige Hilfsbereitschaft, die Konzentration während der Konzerte – ihr habt wirklich toll gespielt – und das tadellose Verhalten. Wir haben eine Reise hinter uns, von der ich sagen kann, dass alles positiv war und niemand auf irgendeine Weise negativ aufgefallen wäre.

Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell ermöglicht haben!

Marcel Schuler