Konzerttournee der Studentenmusik vom 1. bis 7. Mai nach Holland 2010

Die lange Reise

Es war geplant, dass wir in Einsiedeln mit dem Bus um 07.00 wegfahren und um 18.00 Uhr in Oirschot bei Eindhoven ankommen würden. Die Realität war dann, dass wir um 06.50 wegfuhren und um 17.50 ankamen. Auf fast 800 km im kaum berechenbaren Strassenverkehr war das schon fast ein Wunder. Auf jeden Fall war es ein gutes Omen für unseren Holland-Aufenthalt und was so gut begonnen hatte, ging bis zur Rückkehr in Einsiedeln weiter.
Aus verschiedenen Gründen musste ich meinen privaten PW nach Holland mitnehmen und in Begleitung meiner Mitarbeiter Irmgard und Samuel fuhr ich die Strecke im Schlepptau des Busses. Und das war nur mittelmässig spannend... Von grossem Vorteil waren die Funkgeräte, welche ich zufällig spottbillig vor einigen Wochen im Angebot eines Elektronik-Anbieters fand. So hatten wir dauernd Kontakt mit dem Bus und konnten die Pausen absprechen und uns von Buschauffeur Marcell von seiner tollen Kaffeemaschine und der guten Bedienung durch Mitarbeiterin Elena vorschwärmen lassen.
Auf den letzten 100 Kilometern wurde der Bus dann offenbar zum Party-Bus mit Discjockey Kroni. Diese tolle Stimmung habe ich dann auf den diversen Fahrten in Holland miterleben können.
Bei der Ankunft im „De Sprinkhaan" in Oirschot erwartete uns Mathematiklehrer Hannes van der Weijden zusammen mit seinem Schwager Paul Verbeek, der die Häuser verwaltet, in denen wir die nächsten Tage verbringen sollten. „De Sprinkhaan" ist ein Ferienlager für Behinderte, wird aber mittlerweile das ganze Jahr über genutzt und auch anderweitig vermietet.

Mit Eseln und Hühnern im Wald

Nein, nur keine falschen Gedanken! Ich bin weitest davon entfernt, da einen Zusammenhang zu unseren FM-Mitgliedern zu schaffen! Auf dem Sprinkhaan-Gelände waren nicht nur drei Häuser, ein Schwimmbad und diverse Spielgeräte, sondern auch ein Gehege mit verschiedenen Tieren. Die beiden Hähne konnten übrigens ziemlichen Lärm veranstalten am Morgen!
Die eine Hälfte des Leitungsteams war im etwas entfernten Hotel Best untergebracht, die andere Hälfte im Sprinkhaan. Von den Hotelbewohnern wurden wir dann nach kurzer Zeit als die „Waldmenschen" bezeichnet. Wir wohnten wirklich mitten im Wald, umgeben von einem Truppenübungsplatz der niederländischen Armee. Anfangs hatte ich etwas Bedenken, die FM abseits der Stadt unterzubringen, aber schlussendlich waren wohl alle mit dieser Situation zufrieden, zumal wir ja jeden Tag einen Ausflug machten. Und schliesslich waren wir ja in erster Linie zum Proben hierhergekommen.
Neu war auch, dass wir das Frühstück selbst zubereiteten und das hat auf Anhieb perfekt geklappt. Désirée hat das auf professionelle Art organisiert und war jeden Tag mit einer neuen Mannschaft zusammen eine halbe Stunde vor dem Frühstück in der Küche. Ihr gegenüber sind wir zu ganz grossem Dank verpflichtet! Sie hat enorm viel geleistet diese Woche! Der Dank geht aber auch an ihren Vater, der Désirée mit seinem beruflichen Fachwissen beraten und auch die ersten Einkäufe getätigt hat.
Den vielen Kochstellen in der Sprinkhaan-Küche standen die Duschen zahlenmässig proportional verkehrt entgegen. Mit meinem Mitarbeiter Samuel und den acht Jungs der fünften und sechsten Klasse teilte ich eine Dusche, ein Lavabo und ein WC! Wenigstens konnten wir etwas auf die sanitären Anlagen bei den jüngeren FM-Mitgliedern ausweichen. Dort war die Situation um einiges besser. Wenigstens waren die Räumlichkeiten grosszügig bemessen und vor kurzem erneuert worden.

Zu Gast in Waalre und der erste Geburtstag

Kurz vor dem Einspielen am Sonntagmorgen für unsere Auftritte an der Braderie in Waalre kamen Paul Verbeek und Hannes van der Weijden mit den von mir bestellten Stühlen vorbei. Auf der Rekoreise war mir aufgefallen, dass sämtliche Stühle im Haus Armlehnen hatten. Für das Spielen eines Saxophons, Horns, Sousaphons oder einer Bassgitarre ist das eine mühsame bis unmögliche Sache. Mit den 14 angelieferten Stühlen war das Problem nun gelöst.
Bei dieser Gelegenheit konnten wir unserem Mathematiklehrer Hannes van der Weijden gleich zu seinem Geburtstag gratulieren. Er ist extra nach Holland geflogen, um dort mit uns zusammen seinen Geburtstag zu verbringen und uns in Waalre spielen zu hören. Die Holland-Reise ist wesentlich auf seine Idee zurückzuführen und er hat die nötigen Kontakte geschaffen. Hannes ist in Eindhoven und Waalre aufgewachsen und seine Schwester wohnt mit ihrem Mann Paul immer noch dort.
Gegen Sonntagmittag fuhren wir dann ins Städtchen Waalre, um an der Braderie zweimal je eine halbe Stunde aufzutreten. Die Braderie ist eine Veranstaltung der St.Martinszunft von Waalre. Entfernt erinnert sie etwas an das Sechseläuten in Zürich, nur wird dort nicht ein Böögg verbrannt, sondern ein Vogel abgeschossen und es findet ein grosser Markt statt.
Wegen des Regens konnten wir nicht wie vorgesehen auf der offenen Bühne spielen, sondern die FM quetschte sich unter ein Zeltdach und begeisterte von dort aus die durch den Regen flanierenden Besucher. Meine Mitarbeiterin Irmgard kommentierte unseren Auftritt auf Holländisch und erstaunte die Waalrer mit ihrer perfekten Sprache - und das nach einem Semester Unterricht! Ich danke Irmgard ganz herzlich nicht nur für diese Leistung, sondern auch für die zeitraubende Mithilfe bei der Vorbereitung der Reise!
Den späten Nachmittag und Abend verbrachten wir dann in Eindhoven und um 21.15 trafen wir uns für die Rückfahrt zum Sprinkhaan. Es war von Anfang an auffällig, wie strikt sich unsere Musikerinnen und Musiker an die abgemachten Zeiten hielten. Das war nicht bei allen Reisen so! Bei der Rückfahrt erlebte ich nun zum ersten Mal die Stimmung im Party-Bus. Discjockey Kroni und Beleuchter Marcell heizten die Stimmung tüchtig an! Zurück in unserer Waldsiedlung konnte endlich das 30° warme Wasser des Schwimmbades genossen werden. Auch wenn die Wassertiefe nur einen Meter betrug, machte es offenbar viel Spass, darin herumzuplanschen.

Proben

Der Montag war der erste volle Probentag. Der grosse Saal wurde nach dem Frühstück wie schon am Sonntag zum Probelokal umgebaut. Nach einer Gesamtprobe übernahmen mein Mitarbeiter und meine zwei Mitarbeiterinnen ihre Register in den verschiedenen Räumlichkeiten. Dank der drei Häuser konnten wir parallel in Teilproben arbeiten ohne uns gegenseitig zu stören. Irmgard Fuchs arbeitete mit dem Bassregister im Leiterzimmer, Samuel Läubli mit seinen Schlagzeugern im grossen Saal, Andrea Kälin mit dem Holzregister im Neubau und ich selbst übte mit dem Blech im „De Krekel", einem Bau, der von den Nazis im zweiten Weltkrieg als Flugbeobachtungsstation erbaut worden war und nun in mehrere Räume aufgeteilt der Verwaltung und als Aufenthaltsraum dient.
Diese täglichen mehr oder weniger langen Proben haben enorm viel gebracht und eine Maturandin äusserte sich am Schluss so, dass die Studentenmusik in der Zeit, seit sie diese kennt, nie so gut getönt habe wie jetzt. Das kann ich in vollster Überzeugung bestätigen und ich lade alle zum Laetarekonzert am 5. Juni ganz herzlich ein, um das Resultat unserer Arbeit zu hören.
Während wir probten, waren Elena und Marcell um die Einkäufe für unser nächstes Frühstück besorgt. Ich glaube, auch individuelle Bestellungen unserer FM-Mitglieder wurden dabei erledigt.
Nach Eindhoven war Breda die nächste Stadt, welche wir dann am Abend besuchten. Ich war jedes Mal erstaunt über diese tollen Städte mit den alten Bauten und riesigen Kirchen mit ihren gewaltigen Türmen.

Die Ausflüge unter dem Meeresspiegel

24% der Niederlande liegen unter dem Meeresspiegel, und das wollte ich unseren jungen Musikerinnen und Musikern bewusst machen. So fuhren wir am Dienstagnachmittag nach einem intensiven Probevormittag nach Zeeland, um uns dort im Informationszentrum Neeltje Jans über das Deltaprojekt informieren zu lassen und den Oosterscheldedamm zu besuchen. Es war faszinierend, diese 124 zwischen 250 und 450 Tonnen schweren Stahltore zu sehen, welche seit ihrer Fertigstellung 1986 26 Mal abgesenkt wurden, um Holland vor einer Sturmflutkatastrophe zu schützen. Das letzte Mal geschah dies im Jahr 2007.
Den Abend verbrachten wir in Middelburg, einer weiteren dieser schönen holländischen Städte. Und natürlich wurde nach der Rückkehr unser Schwimmbad wieder genossen, auch wenn es bereits etwas spät war.
Auch der Mittwoch führte uns wieder unter den Meeresspiegel, und zwar nach Amsterdam. Nach individuellem Durchstreifen der Stadt trafen wir uns gegen 17 Uhr, um auf einer Grachtenfahrt noch mehr von Amsterdam zu sehen. Fast alle von uns waren dabei. Stefan und Stefan schafften es nicht ganz, zum vereinbarten Zeitpunkt am rechten Ort zu sein, dafür haben sie einen recht ansehnlichen Teil der Stadt unfreiwillig zu Fuss erkundet. Für einige Damen stand Shoppen auf dem Programm und unser Chauffeur Marcell nahm es auf sich, schwer mit Einkaufstaschen behängt das Erstandene im Bus zu verstauen. Auch dies eine Sonderleistung unseres Fahrers, mit dem ich nun zum zehnten Mal zusammenarbeiten durfte. Dafür und überhaupt für die tolle Zusammenarbeit danke ich ihm ganz herzlich! Und nicht so schnell vergessen werden wir vom Leitungsteam das liebenswürdige Servieren der Crème brulée im Bus während der ersten Pause bei der Rückreise nach Einsiedeln. Das war wirklich eine tolle Überraschung!

Der letzte Probentag und der zweite Geburtstag

Der Donnerstag war mit Proben ausgefüllt und zwischen 15 und 16 Uhr spielten wir das neue Konzertprogramm durch. Ich glaube, alle haben bemerkt, was für einen Sprung die Studentenmusik während dieser Woche gemacht hat. Es tönte einfach alles ganz anders als vorher und dafür danke ich meinen MitarbeiterInnen Andrea, Irmgard und Samuel ganz herzlich!
Nach der letzten Probe packten wir das Instrumentarium zusammen und fuhren nach ‘s-Hertogenbosch, der letzten von uns besuchten Stadt. Dass dort ausgerechnet am Donnerstag Abendverkauf war, hat natürlich unsere Shopperinnen erfreut...
Während den Proben dieses Tages hatte ich nicht immer alle Mitglieder dabei. Zwei von ihnen waren intensiv am Vorbereiten des Abends, da Sabina an diesem Tag 18 Jahre alt wurde. Sie wurde mit Schokoladenmousse, Torten, Feuerwerk und Kerzen überrascht. Die Torten hat unsere Betreuerin Elena Stäger organisiert. Dafür und dass sie als gute Seele unseres Betriebes wiederum mitgekommen ist, danke ich ihr ganz herzlich.
Nach dem Geniessen der Torten etc. wurde natürlich wieder das Schwimmbad besucht und im hintersten Haus wurde der Abschluss der Reise gefeiert. Wie lange das gedauert hat, weiss ich nicht auf die Stunde genau, aber negative Folgen hatte es absolut keine. Und das konnte ich nicht nach allen Reisen sagen.

Wie man in 45 Minuten frühstückt und ein Haus putzt

Meine Vorgabe für den letzten Morgen: um 07.00 ist gepackt, Frühstück zwischen 07.00 und 07.15, Putzen der Häuser und der Umgebung zwischen 07.15 und 07.45, Abgabe des Hauses um 07.45, Abfahrt um 08.00.
Ehrlicherweise muss ich sagen, dass wir das Haus nur besenrein abgeben mussten, aber wir schafften es, schon um 07.55 wegzufahren! Der Abwart, der das Haus abnahm, war völlig erschlagen über unsere Leistung und wollte gar nicht mehr alles kontrollieren.
Es ist schön zu sehen, zu welchen tollen Leistungen unsere FM-Mitglieder fähig sind. Sowohl musikalisch als auch in den weiteren Bereichen, welche so eine Reise ausmachen.
Dass wir mit nur 35 Minuten Verspätung in Einsiedeln eintrafen - und das auf 800 km Reise - machte die Woche endgültig perfekt.

Nebst den bereits im Bericht Erwähnten danke ich unserem Arzt Simon Stäuble, der für telefonische Hilfe immer erreichbar gewesen wäre und mich mit den nötigsten Medikamenten ausgestattet hat. Ganz besonders danke ich meinem Kollegen Hannes van der Weijden für die Idee, die Kontakte und dafür, dass er sogar an Ort und Stelle war!
Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell überhaupt ermöglicht haben! Ebenfalls danke ich dem ausserordentlich gut mitarbeitenden Komitee unter Kapellmeisterin Patrizia und ganz besonders Désirée, welche in verschiedenen Funktionen ganz wesentlich zum Gelingen des Holland-Projektes beigetragen hat.

Marcel Schuler