Konzerttournee der Studentenmusik vom 23. bis 27. April 2001 nach Freiburg im Breisgau

Nachdem zwei Tournee-Projekte (Südfrankreich und Paris) im Sande verliefen und es schon anfangs Februar war – in zweieinhalb Monaten sollte die Konzertreise stattfinden – hatte P.Roman die rettende Idee, die Fühler nach Freiburg auszustrecken. Schon drei Stunden nach dem Verschicken verschiedener E-Mails war das erste Konzert (am Berthold-Gymnasium) definitiv; weitere Zusagen folgten. Die Tournee 2001 würde also stattfinden.
Wenn Sie wollen, begleiten Sie uns in diesem Bericht nach Freiburg; die Fussnoten dazu hat P.Roman geliefert.

Dass ich nun endgültig im nächsten Abenteuer "Tournee der Studentenmusik" als Hauptakteur mittendrin stehe, wurde mir allerspätestens – obwohl wie immer eine lange und intensive Vorbereitungszeit hinter mir lag – bewusst, als unser Tourneearzt Erwin Oechslin mir am Tag vor der Abreise den Medikamentenkoffer überreichte. Er konnte leider dieses Jahr nicht mitkommen, da ihn kurzfristig berufliche Pflichten daran hinderten, uns medizinisch, menschlich und mit seinem Humor zu betreuen. Also hatte ich denn eine Kiste Medikamente, eine sehr ausführliche Liste über deren Verwendung und seine diversen Telefonnummern (um ihn in Zweifelsfällen Tag und Nacht zu konsultieren) am Hals. Auf der Liste waren dann ganz klare Hinweise darauf, dass ich bei Bauchschmerzen eine Blinddarmentzündung in Betracht ziehen und allenfalls telefonisch um Rat suchen solle oder bei Raucherhusten sei die "Nikotinzufuhr zu stoppen"...

Am Montag trafen wir uns alle im Theatersaal, um uns mit einer zweistündigen Probe den letzten Schliff für die bevorstehende Tournee zu geben und die Kondition etwas zu stärken. Es stand uns eine einigermassen harte Konzertreise mit recht vielen Auftritten bevor.
Beim Mittagessen stiess auch der Fahrer des Materialbusses, unser Turnlehrer Werner Küttel zu uns. Er hat auf dieser Tournee nicht nur seine Qualitäten als Auto- und Velofahrer gezeigt, sondern sich auch als Unterhalter, Kistenschlepper und unersetzliches Teammitglied erwiesen. Zum Natel-easy-Anwender im Ausland musste ich ihn allerdings noch etwas ausbilden; aber sogar die Lehrer der Stiftsschule sind lernfähig.
Nachdem das ganze Instrumentarium der FM im Schulbus von Rektor P.Lorenz – ihm sei herzlich gedankt für das grosszügige Zur-Verfügung-Stellen dieses Fahrzeuges – verladen und das restliche Gepäck im Schuler-Reisebus verstaut war, stiess die vierte im Bunde unseres Leiter-Teams zu uns: Frau Ruth Oswald, die sich kurzfristig freimachen konnte und uns zur Seite stand.
Wie schon auf der Fahrt nach München chauffierte uns mein Fast-Namensvetter (er schreibt seinen Vornamen Marcell mit etwas mehr Buchstaben als ich) zu unserem Reiseziel, während sich ein Grossteil der Passagiere sich von einem Videofilm unterhalten liess. Da der Bildschirm sich hinter meinem Rücken befand, konnte ich lediglich feststellen, dass es sich um irgendeinen Kriegsfilm handelte, die Schlacht bis Freiburg gewonnen und tausende von Patronen verschossen waren. (s. Fussnote 1). Wenn ich nicht zum zweitenmal dasselbe Busunternehmen engagiert hätte, wären wohl die seit der München-Reise liegengelassenen und verschollenen zwei Videofilme weiterhin im Schrank des Reisebusses verblieben!

Am Dienstag standen zwei Auftritte auf dem Programm: Konzert im Berthold-Gymnasium und ein Ständchen im Stadtgarten. All die vielen Fahrten zu den verschiedenen Konzertorten in Freiburg bewältigten wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, während Werner Küttel in Begleitung von P.Roman das Material transportierte. Wir waren beeindruckt von den modernen Strassenbahnen und geräumigen Gelenkbussen, welche sich beim Aussteigen zum Trottoir hin absenken. Im Berthold-Gymnasium empfing uns mein Kollege Rainer Pachner (wir haben beim selben Lehrer Orchesterleitung studiert) – ein Riese von gegen zwei Metern. Nachdem mich auch der Direktor der Schule und zwei weitere Lehrer begrüsst hatten, kam ich mir immer kleiner vor. Ich habe dann doch noch Lehrer in Normalgrösse gesehen und der Direktor entkräftete meine Annahme, dass er nur Lehrkräfte mit einer minimalen Körpergrösse von 195 cm einstelle. (s. Fussnote 2).
Im Gegensatz zu München interessierten sich die 200 Schülerinnen und Schüler für unsere Darbietungen und uns machte es Spass, vor ihnen aufzutreten.
Allmählich machte unser Fahrer Werni seine Erfahrungen im Ent- und Beladen des Materialbusses (viele Male sollten folgen) und im Natel-Gebrauch. Dank diesem Medium traf sich das Leiterteam nach dem Konzert doch noch zum gemeinsamen Mittagessen, auch wenn die eine Hälfte vor dem griechischen, die andere vor dem chinesischen Restaurant wartete. (s. Fussnote 3).
Vor dem Ständchen im Musikpavillon des Stadtgartens genossen viele von uns die wärmenden Sonnenstrahlen und sowohl die Akustik des Pavillons als auch das begeisterte Publikum spornte uns zu einer besonderen Leistung an. Einen kleinen Knirps konnte ich gerade noch daran hindern, unser Stofftier-Maskottchen abzuschleppen, aber erst, nachdem ich ihm klarmachen konnte, dass ich ohne mein Kuscheltier nicht einschlafen könne. (s. Fussnote 4).

Mit dem Geniessen der Sonnenstrahlen war es am Mittwoch vorbei und ich musste das Ständchen auf dem Stühlinger-Platz absagen. Trotz Regen konnten wir die schöne Stadt Freiburg etwas geniessen und brauchten erst um 19 Uhr wieder aufzutreten. Diesmal am Deutsch-Französischen Gymnasium. Es ist uns dort viel besser ergangen als meinem Kollegen Kühlewein, der dort als Musiklehrer wirkt. Auf einer England Tournee mit seinem ausgezeichneten Kammerchor trat er einmal vor einem Publikum auf, das gerade aus zwei Personen bestand. Wir brachten es auf das Zehnfache! Im Nachhinein war uns allen klar: lieber ein solches Publikum von etwa 20 Personen als 1000, die sich zurückhalten und nicht mitgehen. Es war einfach, den direkten Kontakt zu den Zuhörerinnen und Zuhörern herzustellen. Die Situation erforderte ein spontanes Umstellen und Verkürzen des Programms, aber es hat offenbar viel Spass gemacht. (s. Fussnote 5). Eine Zuhörerin lud die ganze FM auf ein Eis auf dem Münsterplatz ein. Zum Nachtessen traf sich das Leiterteam (auf Anhieb) im chinesischen Restaurant, während sich unsere Bläserinnen und Bläser individuell in der Stadt verpflegten und den verdienten Abendausgang genossen.

Dass Werni in der Tiefgarage des Hotels alle Parkplätze besetzt fand, hat ihn zuerst etwas verdrossen, aber er hat auch dieses Problem elegant gelöst und den Materialbus mitten unter die Neuwagen des eingemieteten benachbarten Autohauses geparkt. Wenn er am nächsten Morgen etwas später gekommen wäre, hätten wir unseren Toyota-Schulbus beinahe als neuwertigen BMW verkaufen können. Schade, vielleicht hätten wir so die Finanzen der Stiftsschule etwas verbessern können.

Am Donnerstag, unserem letzten Konzerttag standen wiederum zwei Auftritte auf dem Programm. Am Mittag spielten wir für die Studentinnen und Studenten der Pädagogischen Hochschule Freiburg und vertrieben mit Erfolg die drohenden Regenwolken und gegen Abend gaben wir ein Ständchen vor dem Stadttheater. Ob die bunte Gruppe von der Universität Maastricht, die uns mit ihren nicht gerade homogenen Stimmen in unseren Spielpausen überbrückte (oder unhöflich ausgedrückt, das Publikum belästigte), mittlerweilen wieder nüchtern geworden ist, weiss ich nicht. Auf jeden Fall hatten wir einmal mehr Glück mit dem Wetter und abgesehen von ein paar Tropfen brachten wir unseren letzten Auftritt hinter uns und freuten uns auf den letzten Abend.

Dass diese Konzerttournee einigermassen hart war, merkte man an der Konzentration und auch Kondition, die allmählich nachliessen. Trotzdem war es erstaunlich, wie leistungsfähig unsere Instrumentalistinnen und Instrumentalisten sind. Sie hatten an den Auftritten ja nicht nur zu spielen, sondern alle haben immer mitgeholfen beim Entladen, Auf- und Abbauen und beim Beladen des Materialbusses. Auch das war etwas, das unsere zwei Begleiter erstaunte, die das erste Mal mit uns dabei waren. 49 junge Leute, die nicht nur musikalisch ihr Bestes geben, sondern auch anpacken und einander helfen, damit die Tournee zu einem gemeinsamen positiven Erlebnis wird. Ich muss weder etwas beschönigen noch verschweigen, was auf dieser Tournee geschehen wäre. Niemand ist aus dem Rahmen gefallen oder hat sich daneben benommen. Dass ich in den Morgenstunden des letzten Tages im Gang vor meinem Zimmer für Ruhe sorgen musste, hat mich nicht geärgert, schlussendlich nur belustigt. (s. Fussnote 6). Der Erwischte hat sich auf besondere Art gerächt: Er habe mich mit Schlafmütze auf dem Kopf im Gang angetroffen. Einige in der FM mögen dieses Gerücht geglaubt haben...
Bis zum Schluss waren alle immer pünktlich zur Stelle und als ich unseren Busfahrer Marcell, der uns abholen sollte, über das Natel anrief, bog er schon um die Ecke vor dem Hotel und konnte mir nur noch antworten: "Ich sehe Dich ja schon". Auf der Heimfahrt lief wieder der obligate Videofilm – wenigstens für diejenigen, welche die vergangene Nacht nicht im Bus nachholen mussten und auf inneres Video umgeschaltet hatten und kurz vor Schindellegi hatte James Bond die Welt einmal mehr gerettet.
Für die unwahrscheinliche Disziplin während dieser anstrengenden Tournee danke ich allen Beteiligten, insbesondere dem Komitee und meiner Kapellmeisterin Jenny.
Ein besonderer Dank geht an unsere Begleiterin Ruth Oswald und unseren Materialbus-Fahrer Werner Küttel, die beide eine Woche Ferien für die Studentenmusik geopfert haben. Dass unser schwarzer guter Geist P.Roman einmal mehr durch sein Dabeisein, sein Erzählen, seinen Witz und seinen jugendlichen Schwung viel zum Gelingen des Unternehmens beigetragen hat, versteht sich mittlerweilen von selbst. Ich danke ihm ganz herzlich dafür!

Marcel Schuler


"Fussnoten" bei wissenschaftlichen Arbeiten sind wichtiger als der Text – "Fussnoten" zu einem Reisebericht sind an sich überflüssig. Doch als "Berater, Beistand und Mitarbeiter" (so stand es im Reiseprogramm) erfülle ich den Wunsch des verantwortlichen Leiters.

Fussnote 1: Vor Videos wurde ich diesmal verschont. Ich hatte das Glück, im Transportwagen neben Werni zu sitzen. Freilich als unnützer Co-Pilot, der weder das Steuer übernehmen noch Wernis Handy hätte bedienen können. Aber so konnte ich meine alten Nerven schonen.

Fussnote 2: Dieser Grössenvergleich sollte auf einem Foto festgehalten werden. Vor dem Knipsen rief mich Marcel, ich möge neben ihm stehen – so war er nicht mehr der kleinste Lehrer und ich hatte eine sinnvolle Aufgabe.

Fussnote 3: "Medium Handy": das war eine der wenigen Ausnahmen, wo das Handy nicht zum Spielen gebraucht wurde. Auch beim Team-Essen kam mir die Handylosigkeit zugute, ich konnte mich besser auf die Wasserflasche konzentrieren.

Fussnote 4: Diesen Knirps bemerkte ich nicht – ich war in Gedanken im Jahr 1976, als ich in diesem Pavillon mit der FM zum Katholikentag aufspielte.

Fussnote 5: Marcel hat die Feuerprobe bestanden. Auch dies gehört zum FM-Leiter. Ich wollte ihn mit meinem Rom-Erlebnis trösten: am 1.Tag = 10'000 Pilger plus Paul VI., am 2.Tag = Saalkonzert für 3 Schweizergardisten plus FM-Team. Mein Trostversuch war unnütz – Marcel war guter Dinge.

Fussnote 6: Die morgendliche Unruhe weckte auch mich. Da ich aber nicht wusste, dass auch FMler im 3.Stock wohnten, vermutete ich einen Ehekrach, was weit schlimmer gewesen wäre.
(Fussnote des verantwortlichen Leiters zur Fussnote 6: Dass P.Roman nicht gemerkt hat, dass 34 von 49 FMlerinnen und FMler im 3.Stock wohnten, spricht für deren Disziplin nicht nur während der Tages-, sondern auch Nachtstunden).

P.Roman Bannwart