Konzerttournee der Studentenmusik vom 28. April - 1. Mai nach Freiburg i. Br. 2008

Von Einsiedeln auf den Berg und in die Unterwelt

Nach 2001 reiste die Studentenmusik nun zum zweiten Mal nach Freiburg i. Br., um dort an verschiedenen Orten aufzutreten, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und auch etwas Ferien zu machen.
Am Montagmorgen tauchte der mittlerweile sehr vertraute grüne doppelstöckige Schuler-Bus mit seinem ebenso vertrauten Fahrer Marcell Schuler (mit zwei „l") auf.Dank der Mithilfe aller - oder sagen wir mal der meisten - und des grossen Einsatzes unseres Materialverwalters und Schlagzeugers Mathias war der Bus schnell beladen und die hintersten Winkel der Gepäckräume ausgenützt.
Über Säckingen fuhren wir durch den südlichen Schwarzwald auf den bekannten Aussichtspunkt Schauinsland (1220 m.ü.M.) hinauf, um dort das Mittagessen einzunehmen und anschliessend das Museumsbergwerk zu besichtigen.
Im Bergwerk Schauinsland wurde seit dem Mittelalter bis 1955 Silber, Blei und Zink abgebaut, was der Stadt Freiburg ihren Reichtum verschaffte und damit auch den Bau des grossartigen Münsters ermöglichte. 1955 wurde der Abbau zu unrentabel und seit 1976 macht die Forschergruppe Steiber nach und nach grössere Bereiche des 100 km langen Stollensystems wieder zugänglich.
Vor dem Einstieg ins Bergwerk fanden eine eindringliche Sicherheits-Unterweisung und dann die Ausrüstung mit Helm, Handschuhen und Kopflampe statt. Über viele Meter und mehrere Etagen stiegen wir dann auf Leitern ein Stück weit in den Berg hinab, um dort zuerst über die Geschichte des Bergwerks einiges zu erfahren und dann durch die engen Stollen verschiedene Bereiche des Abbaugebietes zu erkunden. Ich war erstaunt, wie mutig sich die FM-Mitglieder zeigten und nicht einmal die nur etwa 50 cm breiten Gänge im mittelalterlichen Teil des Bergwerks, in denen man nicht aufrecht gehen konnte, schreckten ab.
Abgeschreckt hat dann eher der Regen, der uns nach dem Aufstieg vor dem Stollen empfing.
Gegen Abend gelangten wir dann mit dem Bus vor unser Hotel und in kürzester Zeit fanden alle ihr Zimmer. Ein gemeinsamer Gang in die nahe Altstadt sollte einen ersten geographischen Überblick geben, damit alle wieder den Heimweg fanden, anschliessend konnte der freie Abend genossen werden.

Als Touristen in Titisee und die Shopper in Freiburg

Am Dienstag fuhren wir gegen Mittag zur Pädagogischen Hochschule, um dort den ersten Auftritt zu absolvieren. Schon 2001 spielte die FM dort auf dem Campus während der Mittagspause der Studenten. Beim Ausladen des Materials stürzte mein Dirigierpult ab und wurde unbrauchbar. Mit Glück werde ich es reparieren können, in Freiburg musste ich dann halt mit den Notenständern etwas improvisieren.
Punkt 12 begannen wir mit unserem Konzert, aber bereits nach fünf Minuten wurden wir wieder gestoppt. Es war vorher niemandem aufgefallen, dass während der vorgesehenen Zeit unseres Auftrittes eine mündliche Prüfung stattfand und sofort hat der Prüfling Einspruch gegen den von uns verursachten Lärm erhoben. Man hat sich dann schnell auf einen Prüfungsunterbruch geeinigt, so dass wir unser einstündiges Konzert fortsetzen konnten. Auch wenn es am Anfang nicht so ausgesehen hat, hielt sich das Wetter und in der Sonne wurde es sogar angenehm warm.
Nach unserem Auftritt waren wir von der Hochschule dank Ekkehard Geiger, der uns schon 2001 einen Auftritt ermöglicht hatte, zum Mittagessen in der Mensa eingeladen.
Knapp die Hälfte der FM fuhr anschliessend mit dem Bus nach Titisee. Es war interessant, einmal diesen typischen Schwarzwälder Touristenort zu sehen und ich fragte mich, ob die Einsiedler Souvenirläden auf die Besucher auch so wirken, wie sie das dort auf mich taten...
Die meisten unserer Musikerinnen und Musiker genossen eine Bootsfahrt auf dem See, während Marcel und Marcell sich unter anderem in Souvenirshops umsahen und Elena Stäger daran zu hindern versuchten, sich einen möglichst scheusslichen Hut zu posten. Sie war aber nicht zu bremsen und handelte sich mit ihrem Kauf den Beinamen des „grünen Monsters" ein.
Der grössere Teil der FM war in Freiburg unterwegs am Shoppen. Auch eine neue Erfahrung, dass es auf den Konzertreisen interessanter ist, Kleiderläden zu suchen anstatt an den Ausflügen teilzunehmen.

Eine verwandte Schule und die Flucht nach Frankreich

Am Mittwoch fuhren wir zum Berthold-Gymnasium. Auch hier hatten wir bereits 2001 gespielt und der Musiklehrer und Kollege Rainer Pachner (wir studierten beim gleichen Lehrer Orchesterleitung) hat uns auch diesmal sofort nach meiner Anfrage einen Auftritt ermöglicht. Die Schule ist der Stiftsschule in vielem ähnlich. Die Sprachen sind sehr wichtig - viele lernen Altgriechisch - und auf ein intensives Musikleben wird grossen Wert gelegt. Das Orchester und der Chor treten dieses Jahr mit der Messa di Gloria von Puccini in Italien und Spanien auf. Auch eine Big Band existiert am Berthold-Gymnasium; ihre Mitglieder waren alle dabei nebst den Klassen, welche zu unserem Konzert zugelassen waren. So hatten wir gut 200 Zuhörerinnen und Zuhörer, welche gebannt und konzentriert zuhörten in der akustisch überraschend guten Turnhalle. Diese Schülerinnen und Schüler sind sich gewohnt zuzuhören!
Das Berthold-Gymnasium schaut als Lateinschule in Freiburg auf eine 758-jährige Geschichte zurück.
Nach dem Konzert gingen wir zu Fuss in die benachbarte Musikhochschule, um in der dortigen Mensa das Mittagessen einzunehmen. Während des Essens begann es bereits zu regnen und ziemlich bald wurde klar, dass es keinen Sinn hat, auf den Auftritt vor dem Theater zu warten und dann festzustellen, dass es zu nass ist... So entschied ich mich, mit unseren Leuten einen Ausflug nach Colmar im Elsass zu machen und dort die Altstadt zu besichtigen. Erstaunlicherweise kam wieder nicht einmal die Hälfte mit, der Rest wollte in Freiburg bleiben und offenbar den Regen geniessen - oder die restlichen Bestände der Kleiderläden kaufen... Schnell sahen wir, dass die Elsass-Reisenden das bessere Los gezogen hatten, und auch wenn die Sonne dann erst auf der Rückreise durchbrach, war es doch trocken.
Es war interessant, wie vorwiegend die ältesten und jüngsten FM-Mitglieder die Ausflüge nützten und ich habe es sehr genossen mit ihnen zusammen!
Ich hoffe, dass im Nachhinein nicht allzu viele krank wurden. Das Temperaturempfinden meiner FM-lerinnen und vor allem FM-ler war ganz offenbar recht unterschiedlich. Während ich oft um meine dicke Jacke froh war, waren einige kurzärmlig und sogar mit kurzen Hosen unterwegs.

Auf der Suche nach dem Publikum und die Heimkehr auf verschiedenen Wegen

Am letzten Tag stand ausnahmsweise nach dem Packen und Auschecken aus dem Hotel noch ein Auftritt auf dem Programm, und zwar im Stadtgarten. Es war bald klar, dass dies mangels Publikum ein recht sinnloses Unterfangen war und so entschied ich mich eigenmächtig für ein Konzert vor dem Theater, das eigentlich am Tag zuvor hätte stattfinden müssen, aber ins Wasser gefallen war.
Der Entscheid war richtig und wir spielten für die Passanten und Touristen, welche uns nicht nur zuhörten, sondern sogar den Wink mit dem aufgestellten Instrumentenkoffer verstanden. Auch unser Maskottchen hatten wir vor uns hingestellt und einmal mehr wäre der Rabe fast von zwei Kindern entführt worden.
Leider waren an diesem Auftritt nicht mehr alle unserer Musiker beteiligt; zwei waren unfreiwillig bereits am Morgen mit dem Zug zurückgereist; aber das ist eine andere Geschichte...
Nach dem Konzert wurde der Bus für die Rückfahrt beladen und nach dem Mittagessen und etwas Flanieren oder auch an der Sonne Sitzen machten wir uns am Nachmittag auf den Weg.
Wir kamen wie vorgesehen pünktlich in Einsiedeln an und wiederum wurde äusserst zügig das Material versorgt. Dass die neue Uniform sorgfältig behandelt wird, konnte ich auch dem Umstand entnehmen, dass wir noch vier Kleiderbügel des Freiburger Hotels im Bus fanden...
Ich danke meiner Assistentin Elena Stäger ganz herzlich für ihren grossen Einsatz. Sie hat sehr viel zum Gelingen der Reise beigetragen! Auch unser Chauffeur war nicht nur als Fahrer im Einsatz, sondern auch als Teammitglied, das verschiedenste Aufgaben übernommen hat. Danke, Marcell mit zwei „l"!
Ich danke allen Sponsoren und den Eltern, welche die Reise finanziell überhaupt ermöglicht haben!
Zum Schluss danke ich unseren zwei Internet-Damen Désirée und Esther für ihre täglichen Berichte und die Fotos. Auch Dario Züger, der im Hintergrund unser Internet betreut, danke ich ganz herzlich, ebenfalls dem engagiert mitarbeitenden Komitee.

Marcel Schuler